Kurzer Zwischenstand von mir: Wegen der langen zu erwartenden Verfahrensdauer und der bekannten Probleme der Erheblichkeit eines Mangels bei Softwareproblemen werden wir den Rechtsweg nicht wählen. Allerdings kann ich bei meinen Erfahrungen natürlich niemandem empfehlen, ein solches Auto zu kaufen, der nicht das Risiko einer solchen Abwicklung eingehen möchte. Man tritt halt als Bittsteller beim sogenannten Servicepartner auf, der eigentlich nicht so richtig Lust dazu hat, auch wenn er versucht, es sich nicht anmerken zu lassen.
Wesentliche Mängel sind nach wie vor der erratisch auslösende Innenraumalarm beim Abschließen, die überraschend schließende Kofferraumklappe (weil er wohl angeblich zwei Radarsensoren hinten hat) und die unbeabsichtigte Aktivierung des ACC wohl auf die gespeicherte Geschwindigkeit aus dem Stand mit dem anschließenden Auffahrunfall (hatte Heckträger drauf). Da die Punkte 1-2 laut Auskunft des Meisters Stand der Technik bei Volvo/Polestar sind, wird es von dort wenig Support geben. Es gibt allerdings in anderen Kleinserien andere dominante Mängel wie z.B. in den USA reihenweise und mehrfach abrauchende Ladegeräte etc., Vermutlich haben sie hinter den Kulissen immer wieder erhebliche Änderungen vorgenommen.
Das mit dem Gangwahlhebel finde ich außerordentlich riskant, auch wenn es der Meister als vom Hersteller beabsichtigt beschrieben hat. Da ich von Polestar keine wirkliche Unterstützung erwarte, habe ich es zusätzlich dem KBA mitgeteilt, mit Chance wird Polestar und Volvo (EX90 und ES90) zu einem Rückruf bzw. einer Softwareanpassung gezwungen. Dann wäre es ja auch gelöst. Bis dahin vermeide ich das ACC und habe Kriechen ausgeschaltet.
Mein Wagen war zur Inspektion in der Werkstatt und ich hatte es Polestar vorher auch mitgeteilt, aber in der Kombination Servicepartner/Polestar wurde nichts gemacht. Jetzt schiebt Polestar alles auf den Servicepartner, aber wegen der beiden ersten Mängel war das Auto ja schon dreimal in der Werkstatt, davon das letzte mit Fristsetzung.
In zwei Monaten wird dann der Lackschaden des Unfalls beseitigt und die Frontschürze erneuert, zum Glück nur etwas über 2.000 EUR. Vielleicht nutzt Polestar ja die beiden Tage, um etwas zu machen, eventuell auch auf Druck des KBA. Daten ausgelesen haben sie für die beiden ersten Fehler ja schon lt. Auskunft des Meisters mehrfach.
Eigentlich ist das Auto sonst gar nicht so schlecht bis auf diese drei Sachen, von denen ich sogar vermute, dass sie ALLE softwareseitig sind. Unser Polestar 2 ist wirklich ein angenehmes oder sogar tolles Auto bis auf wenige konstruktive Dinge wie das zu schwache Fahrwerk. Wir sind sehr zufrieden, allerdings hatte es auch mal einen Totalausfall, bei dem wir dann schon damals lernten, dass man nicht immer den Abschlepper rufen sollte, wenn das Auto oder die Hotline das aufgibt.
Ich schau mich in Ruhe mal bei anderen Herstellern um und beobachte die Wiederverkaufspreise des PS3, aktuell wäre der Wertverlust leider fatal. Aber ich bin gar nicht so sicher ob die Dinger wenn sie ein paar Jahre alt sind nicht ganz gut verkauft werden können, da sie eigentlich robust gebaut sind. Ob man gut Ersatzeile bekommen wird, weiss ich nicht, aber zumindest Volvoteile und Windschutzsscheiben wird man bekommen.
Bis dahin wird sich auch die Frage, was aus Polestar wird, geklärt haben. Aufpassen wird man inzwischen bei allen Herstellern, dass man nicht vom Regen in die Traufe kommt. Auch das spricht für fahren so lange es irgend geht. 800V brauche ich zumindest nicht, ich habe es in der Praxis selten vermisst. Ich glaube, dass der EX60 sich ganz gut verkaufen wird und dass sie auf der SPA3 Plattform weitere (größere) Autos anbieten werden. Auf jeden Fall werden wir stärker darauf achten, dass ein neues Auto in Stückzahlen gebaut wird.