Polestar 4: Bremswirkung ließ ruckartig nach – Unfall / ähnliche Erfahrungen?

Hallo zusammen,

ich hatte gestern mit meinem Polestar 4 Long Range Single Motor einen Unfall und möchte wissen, ob jemand schon ein ähnliches Verhalten beim Bremsen erlebt hat.

Ich fuhr auf einer normalen, trockenen Straße mit ungefähr 45 km/h. Das vorausfahrende Fahrzeug begann zu bremsen, woraufhin ich selbst das Bremspedal betätigte. Die Bremswirkung setzte zunächst normal ein, ließ dann aber während des Bremsvorgangs plötzlich und ruckartig nach. Es fühlte sich an, als würde das Auto kurz nach vorne geschoben beziehungsweise beschleunigen.

Dieser Wechsel wiederholte sich innerhalb sehr kurzer Zeit mehrmals: Das Fahrzeug bremste, die Verzögerung ließ plötzlich nach und setzte dann wieder ein. Auch das Bremspedal fühlte sich ungewöhnlich an. Der Widerstand beziehungsweise Gegendruck war zeitweise stärker und unmittelbar danach wieder schwächer.

Nach meiner Wahrnehmung blieb mein Fuß währenddessen auf dem Bremspedal. Eine Betätigung des Fahrpedals habe ich nicht wahrgenommen. Ich kann natürlich nicht sagen, ob tatsächlich Antriebsmoment abgegeben wurde oder ob sich nur das plötzliche Nachlassen der Bremswirkung wie eine Beschleunigung angefühlt hat.

Während meiner eigenen Bremsung aktivierte sich dann auch die Kollisionswarnung beziehungsweise das automatische Notbremssystem. Die Warnung erschien im Display und das Fahrzeug bremste zusätzlich selbstständig. Aber auch während dieses Vorgangs fühlte sich die Verzögerung nicht konstant an. Es gab erneut kurze Momente, in denen die Bremswirkung nachließ und sich das Auto nach vorne geschoben anfühlte.

Leider kam das Fahrzeug nicht rechtzeitig zum Stillstand und ich fuhr auf das vorausfahrende Auto auf. Es gab zum Glück keine Personenschäden.

Ein paar Daten zum Fahrzeug und zur Situation:

  • Polestar 4 Long Range Single Motor

  • aktuellste angebotene Softwareversion

  • One-Pedal-Drive auf „Standard“, also höchste Verzögerungsstufe

  • ACC und Pilot Assist deaktiviert

  • ungefähr 45 km/h

  • normale, unauffällige Fahrbahn

  • keine von mir wahrgenommene Unebenheit oder sonstige Besonderheit

  • Straßenbahnschienen waren seitlich der Fahrspur, ich bin aber nicht darüber gefahren

Nach dem Unfall bin ich noch ungefähr zehn Minuten nach Hause gefahren. Dabei ist das Verhalten nicht noch einmal aufgetreten. Seitdem bewege ich das Fahrzeug nicht mehr.

Leider war keine Speicherkarte für die Dashcam eingesetzt. Ich habe Polestar aber ausdrücklich gebeten, sämtliche möglicherweise vorhandenen Fahrzeugdaten zu sichern, insbesondere EDR-/ASDR-Daten, Bremspedal- und Fahrpedalsignale, Bremsdruck, Antriebsmoment, Rekuperation, Reibungsbremse, ABS/ESC sowie die Daten zum automatischen Notbremseingriff. Bis zur Datensicherung möchte ich keine Reparatur, Probefahrt, Rücksetzung oder Softwareaktualisierung durchführen lassen.

Hat jemand mit dem Polestar 4 schon etwas Vergleichbares erlebt?

Insbesondere würde mich interessieren:

  • Hat bei euch die Bremswirkung schon einmal ruckartig nachgelassen und wieder eingesetzt?

  • Hatte jemand dabei ebenfalls das Gefühl eines kurzen Vorwärtsschubs?

  • Hat sich das Bremspedal dabei wechselnd hart und weich angefühlt?

  • Trat das beim Übergang zwischen Rekuperation und mechanischer Bremse oder während einer automatischen Notbremsung auf?

  • Wurden bei jemandem nach einem solchen Vorfall Fahrzeugdaten ausgelesen, und wenn ja, durch wen?

  • Wie würdet ihr jetzt gegenüber Polestar, Werkstatt und Versicherung weiter vorgehen?

  • Kennt jemand einen unabhängigen Sachverständigen in Österreich oder Deutschland, der EDR-/Bremssteuerungsdaten eines Polestar 4 auswerten kann?

Mir geht es nicht darum, vorschnell zu behaupten, dass das Auto tatsächlich selbst beschleunigt hat. Ich möchte herausfinden, ob dieses Verhalten schon bei anderen aufgetreten ist und wie sich technisch feststellen lässt, was während des Bremsvorgangs tatsächlich passiert ist.

Danke euch für jede konkrete Erfahrung oder Empfehlung.

Ohne Eckdaten dazu, wie stark/abrupt gebremst wurde, klingt das für mich im ersten Moment nach klassischem ABS-Eingriff. In dem Fall hätte dir das Fahrzeug damit einen Gefallen getan.

Jetzt ist bspw die Frage, ob du das ABS dieses Fahrzeugs schon mal erlebt hast, um selbst einen Vergleich zu haben.

Erstmal gut, dass es nur bei einem Blechschaden blieb.

An das normale ABS habe ich auch ganz kurz gedacht, aber sehr schnell wieder verworfen.

ABS rattert, das spürt man im Fuß, aber einen Verlust der Verzögerung merkt man eigentlich gar nicht. Erst wieder vor einigen Monaten beim Polestar/ADAC Event schön testen können.

Richtig übel kann es werden, wenn der Untergrund und die Reifen dazu ungünstig sind. Da bremst er dann so gut wie gar nicht mehr, aber gefühlt ist trotzdem eine konstante Verzögerung vorhanden.

Das erklärt aber denke ich nicht, was @vandeMilanov oben beschreibt.

Was mir dazu einfällt sind die vereinzelten Meldungen, dass seit dem letzten oder vorletzten Update die Rekuperation vor allem im Zusammenhang mit OPD nen Hau hat. Kurz vor Stillstand läßt die Verzögerung kurz mal nach. Aber halt nicht so drastisch und mehrfach.

Und dann wäre da noch der berühmte Volvo-Fall:

Aber ganz so passt das auch nicht. Er ist ja nicht 100s bergab mit OPD gefahren.

Jedenfalls wieder ein ganz übles Problem und ich hoffe, dass man zumindest den Fehler findet.

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Dann dürfte der Polestar aber nicht, wie angegeben, beschleunigen. Bitte @vandeMilanov hier prüfen, ob ABS tätig war und ob die wahrgenommene Beschleunigung vll.ein tatsächliches “Rutschen” war (Straßenbahnschienen)!? Immerhin wiegt der Polestar 4 über 2 Tonnen Leergewicht!

Sehr ärgerlich und ich kann nur alles Gute wünschen und gut, dass es keine Personenschäden gab.

War das nicht nur beim Dual Motor, wo der vordere Motor ungünstig ein/ausgekoppelt wird?

TO hat einen Single Motor.

Das kann sein, ich habe das Problem nicht, trotz DM.

Aber der Fall passt eh nicht zu dem beschriebenen Fehler.

Es gibt einen weiteren Effekt, den ich auch schon beim PS4 erlebt habe: sofern die Reibbremse nicht einsetzt und der Untergrund nicht mehr die richtige Haftung bietet, so setzt das rekuperative Bremsen aus. Dies sorgt dann dafür, dass man subjektiv beschleunigt, de facto es aber um ein Rollen handelt. Bei mir liess sich das an einer Bodenschwelle der Rheinkniebrücke reproduzieren. Dies passiert ruckartig, sobald die Räder wieder ausreichend Grip zurückmelden, setzt das rekuperative Bremsen wieder ein. Das kann dann heikel werden, wenn man zunächst den Bremsweg mit rekuperativem Bremsen erreichen kann und dann wertvoller Bremsweg verloren geht.
@vandeMilanov: Vielleicht hat sich dieser Effekt auch bei den Gleisen eingestellt?

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Vielen Dank schon einmal für eure Antworten.

Es war nicht meine erste Vollbremsung, und für mich hat sich das definitiv nicht nur nach dem normalen Eingreifen des ABS angefühlt.

Direkt am Anfang kam trotz Vollbremsung praktisch keine Verzögerung. Es fühlte sich eher so an, als würde das Auto einfach weitergeschoben und hätte kurzzeitig überhaupt keine Bremswirkung. Fast so, als hätte der Wechsel von der Rekuperation auf die normale Bremse „geglitcht“ und viel zu lange gedauert – obwohl ich längst vom Gas gegangen war und schon voll auf der Bremse stand.

Vielleicht war dieses Gefühl auch nur ganz am Anfang da und danach war es tatsächlich nur noch das ABS. Das kann ich nicht ausschließen, weil mich dieses völlig unerwartete Verhalten im ersten Moment ziemlich überrascht hat. In so einer Situation ist es im Nachhinein natürlich schwer, jede einzelne Sekunde ganz genau zu rekonstruieren.

Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass es kein normales Bremsverhalten war. Ich bin mit dem Auto inzwischen einiges gefahren und hatte auch schon ähnliche Situationen, in denen es problemlos und rechtzeitig abgebremst hat.

Vielleicht haben die Straßenbahnschienen dabei tatsächlich eine Rolle gespielt. Die Fahrbahn war allerdings trocken, ich war nicht zu schnell und hatte auch keinen zu geringen Abstand. Deshalb kann ich mir bis jetzt nicht wirklich erklären, was da passiert ist.

Kann evtl. der unterschiedliche Fahrbahnbelag einen Einfluss haben, wenn du mit einer Achse evtl. auf der Schiene warst?

Obwohl der hat Recht breite Schlappen.

Ich habe in einem Sicherheitstraining mit der E Klasse diese Mü Split Bremsungen gemacht, und das hat ganz schön am Fahrzeug geruckelt.

Hier noch dazu gefunden:

Post Impact Braking – automatisches Bremsen nach einer Kollision

Vll. hilft dies weiter?

Wie lang war denn der tatsächliche Bremsweg?
Bei einer Vollbremsung aus 45 km/h reicht (ohne Reaktionszeit) hierfür ja ein Bremsweg von gut 8 m innerhalb von 1,3 s (in der Annahme, das Fahrzeug hat bei Tempo 100 einen Bremsweg von 40 m).

Ich habe zwar den Dual Motor aber bereits mehrmals ein Verhalten bemerkt, dass ich immer der Rekuperation zugeordnet habe. Vor allem beim Rollen bergab gibt es irgendwann mal wieder den Punkt zwischen rekuperieren, rollen und mechanischem Bremsen an dem man subjektiv gefühlt einen Schub bekommt, weil die Rekuperation nicht mehr greift, die mechanische Bremse aber noch nicht stark genug einsetzt, weil man ohne Rekuperation doch das Pedal recht stark treten muss. Ich hatte das immer im Übergangsbereich und immer bergab. Noch jemand?

Das ist bei mir auch so, bei langsamer Fahrt - ich merke das jeden Tag in der Tiefgarage meines Arbeitgebers.

Kann es sein, dass das nicht im Performance-Modus passiert? Ich kenne das nur, wenn ich im Hinterradantrieb mit ca. 40 km/h auf eine Kreuzung zufahre und abbremse. Dann ist dieses kurzfristige Ruckeln zu merken. Im Performance-Modus habe ich es an denselben Stellen noch nie bemerkt.

Tendenziell würde ich sagen, dass es zumindest eher beim Heckantrieb auftritt. Bin mir aber nicht sicher.

Ob es nur im Nicht-Performance-Modus passiert, weiß ich nicht, da ich ausschließlich in eben diesem Modus fahre.
Wenn ich daran denke, teste ich mal die Tage den Performance-Modus.

Das verhalten kenne ich auch und kann es sogar reproduzieren.
Am stärksten ist es bergab mit Performance Mode EIN und wenn ich denn Pilot Assist mit der Bremse beende. Dann beschleunigt er durch das Gefälle bis er wieder verzögert (ob mit Reku oder Mechanischer Bremse).
Der Effekt ist aber wenn ich auf der Autobahn selber stärker Bremsen möchte auch vorhanden und dann schon einige mal zu ein Gefahrenbremsung geführt, was für den Hintermann nicht angenehm ist.
Bei mir fühlt es sich so an wie wenn der Frontmotor auskuppelt und erst danach die Bremse greift.
Das muss nachgebessert werden

Ist aber beim LRSM auch der Fall wenn man mit Pilot fährt und dann das Auto automatisch anfängt zu Bremsen und man dann SELBST stärker bremsen will. Dann entsteht eine kleine “Lücke” durch das Beenden des Pilot und einsetzen der eigenen Bremsung. Das ist durchaus gefährlich und bergab wird es dann noch gefährlicher.

@vandeMilanov vll. ist genau das bei Dir passiert!?

LRSM. Hätte das gestern beim Wenden, ich stand auf der Bremse bei langsamer Geschwindigkeit und das war gefühlt vor dem Punkt bei dem die Reibbremse greift. Plötzlich machte der Wagen nen Satz nach vorne…

Durch den Schreck hab ich das Pedal dann voll durchgetreten und stand sofort.

Aber das war schon etwas unheimlich.