Abenteuer - Mit dem P vom Niederrhein zum Comersee

Wie auf Telegram schon angekündigt, versuche ich, meine Adventure-Tour in den Urlaub, für die Nachwelt in Zahlen festzuhalten. Wie damals die Cowboys schon, werde ich alleine mit meinem „Pferd“ durch die Prärie „reiten“, während meine Familie dafür sorgt, dass noch mehr Kerosin in die Atmosphäre gelangt. In Italien sammle ich sie wieder ein. :smirk:

Das ist die geplante Route:

Einstellungen:

  • Zusatzgewicht +600kg
  • Wenige Stops
  • Ladepunkte: Schnelllader
  • Ladnetze: Ionity, EnBW, Shell
  • Autom. Berechnung: LiveSoC, Verkehrsdaen, usw.

Theoretische Planung:

Gespannt bin ich auf den tatsächlichen Stromverbrauch und ob ich die Ladepunkte so anfahren kann, wie es berechnet wurde.

Kann sein, dass ich der meistgehasste E-Fahrer werde, wenn ich mit dem Gespann quer zum laden ranfahre und somit 4 Ladestationen blockiere. Kann aber auch sein, dass ich den Hänger verfluche, wenn ich ihn jedes mal abkoppeln muss.

Weitere Infos von der Strecke folgen.

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Hey, dann Dir alles Gute und berichte mal, wie es gelaufen ist…:+1::pray:

Super geplant. Fahre in 3 Wochen aus Niedersachsen an den Gardasee. Sind dann knapp über 1000km. Da muss ich auch ein bisschen vorplanen. Allerdings habe ich das Auto mit Menschen voll :joy:

Ich bin an Pfingsten von Heidelberg an die Adrua bei Venedig gefahren. Vorher mit ABRP geplant.
Bei mir hat die Berechnung gepasst. D.h. ich bin immer +/- 2-3% an den Ladesäulen bzw. am Ziel angekommen.
Top!

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Nach diesen Strapazen komme ich endlich dazu meine Erfahrungen zu teilen :unamused:

Eins mal vorweg. Ich bin angekommen, es war eine riesige Freude mit dem PS einen Anhänger zu ziehen und der Wagen kann nun mal nix dafür.

Die Planung mit ABRP hat an genau zwei Stellen gestimmt. Am Anfang und Ende. Alles andere dazwischen hat überhaupt nicht gepasst. Das hinterlegte Profil, inkl. den Angaben zu Gewicht, usw. hat meiner Meinung nach zu nichts geführt. Aus den geplanten 4 Stopps wurden 6. Das lag sicherlich an den fehlenden Erfahrungswerten, was den Verbrauch angeht. Die Planung geht von Stopps alle 150 - 170 km. Die Realität sah nun mal anders aus. Schon nach ca. 1 Std. Fahrt wußte ich, was mich erwartet. Alle 150 km mußte ich einen Stop einlegen. Der Verbrauch lag bei 38-40 kW/h (Tempomat auf 110, manchmal 120km/h). Im Verbrauch hat sich bei 10 oder 20km/h mehr nicht viel getan.

Das Ergebnis am Ziel:

Der Schnitt von 33,5 kW/h kam nur deswegen zustande, weil ich sehr viel parallel zur Autobahn Landstraße gefahren bin. Die Urlaubswelle hat zu viel Staus geführt, die ich umfahren habe.

Navigationen:
Ich bin mit beiden gleichzeitig gefahren. Google Maps und ABRP (Premium). Keines von beiden empfinde ich als wirklich reisetauglich. ABRP ist nett, hat viele Features kann aber niemals als vollwertiges Navigationssystem genutzt werden. Die Handhabung ist schrecklich. Für Änderungen muß ich anhalten und die Parkbremse betätigen. Zoomen während der Fahrt geht gar nicht.

Eigentlich hätte ich von ABRP erwartet, dass es mir sofort eine alternative Ladestation anbietet, sollte die geplante Ladestation, bei dem aktuellen Verbrauch, nicht mehr erreichbar sein. Einen Hinweis, ich möge doch meine Geschwindigkeit auf 70km/h reduzieren ist auf einer Autobahn eher hinderlich.

ABRP zeigt mir Verkehrsstörungen (Staus), die es im Maps und im wahren Leben nicht (mehr) gab. Die alternativen Routen waren auch weit weg von der Realität.

Maps kann man schon als besten Routenplaner bezeichnen, hat aber für E-Fahrer noch sehr (sehr) viel Verbesserungspotential. Ich bekomme von ABRP eine Warnung, dass ich den Ladepunkt vielleicht nicht erreichen kann. Also schaue ich mir Maps an und suche nach Ladestationen auf meiner Route. Das Ergebnis ist eine Liste mit Nummern. Welche Ladepunkte das sind, ist so ohne weiteres nicht zu erkennen. Um welche Art der Ladesäulen (11kw, 22kw, 50kw, 150kw, …) es geht, kann man auch nicht auf anhieb sehen. Als wichtigste Funktion eines Navis erwarte ich ein autom. Re-routing, sollte ein geplanter Ladepunkt nicht nach den gewählten Kriterien (mind. 20%) erreichbar sein. Dann erwarte ich einen Vorschlag mit klarer Angabe, wo ich zu laden habe. Kriterien, wie bevorzugte Betreiber, Gewicht, min. Kapazität an Ladestation, usw. habe ich schließlich vorher angegeben. Damit sollte es möglich sein, eine Alternative vorzuschlagen.

Ladestationen
Es ist ganz toll, dass man Vorwärts und Rückwärts ran fahren kann. Autos mit Hänger waren in den Köpfen der Planer wohl zu utopisch. Bis auf ein Ladung musste ich den Hänger jedes mal abkoppeln, laden und wieder dranhängen. Und das während in der Urlaubszeit die Hölle los ist auf den Rastplätzen.
Auch sehr beliebt. Die fest verbauten Ladekabel sind sehr kurz. Da will wohl der eine oder andere ander Kabellänge Geld sparen.

Maut in Österreich
Fährt man in Lindau über die Grenze ist da Teilstück der A14 bis zur Anschlussstelle Hohenems Mautfrei. Diese Abfahrt nutzt man auch um in die Schweiz zu kommen. Dummerweise ist ein kleiner Schnelllader Park ca. 1,2 km von dieser Abfahrt entfernt auf der A14 an der Raststätte Hohenems. Ich habe es riskiert und bin das Stück ohne Pickerl gefahren, habe dort 30min. geladen und bin die 1,2 km wieder zurück zur Abfahrt Hohenems gefahren. Keine Kontrollen, keine Kamerabrücken. Das soll keine Anleitung sein. Jeder der so handelt wie ich, handelt auf eigene Gefahr.

Eine tolle Erfahrung
Ich bin fälschlicherweise über den alten Splügenpass gefahren. Wer die Strecke kennt weiß, dass an manchen Stellen keine zwei Autos nebeneinander passen und man bei einigen Spitzkehren nicht weiß, ob man wirklich rumkommt. Als Motorradfahrer kennen ich solche Strecken ja, trotzdem habe ich drei Kreuze gemacht, als ich wieder „normale“ Strecke unter den Reifen hatte.

Die Anfahrt aus der Schweiz den Pass hoch ist steil und „kurz“. Die Fahrt ins Tal nach Italien ist „flach“ und lang. Ich bin also mit 54% hochgefahren und mit 48% oben angekommen. Auf der Fahrt nach unten habe ich ein wenig getrickst. Ich habe immer wieder mal das OPD ausgeschaltet, bis ich genug Schwung hatte, um dann „Gering“ einzuschalten. Um es kurz zu machen, als ich unten angekommen bin hatte ich 53% Speicherkapazität. Somit bin ich viele km quasi „umsonst“ gefahren.

Ladepunkte hier in Norditalien
Die Lademöglichkeiten kann man als ausreichend bezeichnen. Die meisten Ladesäulen machen 11-22kw, man findet aber auch viele 150 oder 300 kw Säulen. Mitgenommen habe ich die zwei Kabel, die beim PS dabei waren + einen Reisestecker (ital. auf Schuko, max. 10A) von Brennenstuhl. Zusätzlich für kleines Geld noch zwei Adapter vom roten CEE auf Schuko und vom blauen auf Schuko. Campingplätze gibt es hier genug, so dass ich zur Not auf einem Campingplatz laden könnte. Nach Absprache mit unserem Vermieter darf ich den Wagen hier an der Ferienwohnung laden. Gibt am Ende ein kleine Spende für die Kaffeekasse. Damit habe ich gerade 0 Probleme.

Empfehlen würde ich für Italien die ENELX App (JuicePass) runter zu laden und seine Zahlungsmethoden zu hinterlegen. Shell, EnBw und Plugsurf (meine Standard Apps/Karten) haben nicht immer funktioniert, obwohl die Ladestationen in den Apps vorhanden waren und man auch die Säule wählen konnte. Am Ende konnte die App nicht mit der Ladesäule kommunizieren.

In Bergamo stand ich an einer Tankstelle mit 4 Schnelladern. Erst bei der 4. habe ich es mit JuicePass geschafft. Bei 90% konnte ich amüsiert einem Italiener (Mercedes EQ…) dabei zuschauen, wie er völlig verzweifelt mit 2% Restkapazität versucht hat seinen Wagen zu laden. Die App hat nicht funktioniert, die Ladesäule wollte nicht. Kurze Zeit später kommt ein belgischer Porsche Taycan angefahren. Auch er mit wenig Saft. Nun haben wir zu dritt versucht, die Ladesäulen dazu zu bewegen die Autos zu laden. Die hochgelobte Porschekarte hat versagt, mit den Apps hat es auch nicht funktioniert. Gnädig wie ich bin, habe ich meine Ladesäule zur Verfügung gestellt. Ladevorgang sauber beendet und zur Seite gefahren. Dumm war nur, dass genau diese Säule, mit der ich bis 90% geladen hatte, in den Apps plötzlich nicht mehr auftauchte. Da die anderen 3 eh nicht funktioniert hatten, waren somit alle Ladesäulen nicht mehr nutzbar. Beide sind zum nahegelegenen Flughafen gefahren, um dort mit 50kw laden zu können. Zumindest war das der Plan.

Fazit
Es ist und bleibt noch ein Abenteuer, mit einem E-Auto mit Anhänger/Wohnwagen in den Urlaub zu fahren. Die An-/Abfahrten sind doppelt bis dreifach so lange. Auf Campingplätzen kann man mit Adaptern laden, in Ferienwohungen auch, bei Hotels wird es schon schwierig, da sehr oft die Infrastruktur fehlt. Man muß dann schauen, wo man im Ort oder Umfeld eine Ladesäule findet. Die meisten Orte haben mittlerweile Ladsäulen an den öffentlichen Parkplätzen, aber auch in den anderen Länden nimmt die Anzahl der Hybriden und reinen Elektrofahrzeuge zu. Somit wird es ein Kampf um die wenigen Lademöglichkeiten. Es ist alles machbar, aber es erfordert ein hohes Maß an Geduld und Planung.

Und noch was unbegreifliches
Ein wichtiges Kriterium war das Schnellladen und idealerweise an der Autobahn, weil ich auf meiner Urlaubsfahrt nicht noch Umwege fahren möchte, um dann an einer 22kw Ladesäule zu stehen. An keiner der Autobahn Tankstellen/Raststätten, an keiner … also wirklich an keiner … waren die Ladesäulen ausgeschildert. Sie standen immer irgendwo rum. Kein Hinweis, kein Schild … gar nix. Weder an der Autobahn x-km vorher, noch an dem Ziel selber. Nix … Nada. Hinweise auf LPG waren da, auf Ladesäulen nicht. Hätte ABRP mir das nicht gesagt, ich hätte nirgendwo erkennen können, ob die Tankstellen auf meinem Weg auch Ladesäulen haben. Hier sollte DRINGENDS gehandelt werden.

So … ich hoffe ich konnte dem einen oder anderen mit meinen eigenen Erfahrungen bei seiner Urlaubsplanung helfen. Auch wenn es sich hier und da negativ anhört, E-Auto + Anhänger funktioniert sehr gut. Selbst in den Bergen hatte der eine oder andere Verbrenner hinter mir zu kämpfen, an mir dran zu bleiben. Das Laden in anderen Ländern funktioniert genauso gut oder schlecht wie bei uns. Das schlimmste sind die Vielzahl der Anbietern mit ihren Karten und Apps, die nicht immer funktionieren. Das Roaming zwischen den Anbietern ist genauso wenig hilfreich. Mir ist immer noch nicht klar, weshalb sich die Ladenetzbetreiber so sehr gegen das Zahlen mit Debit-/Kreditkarte wehren. Ich möchte in der Zukunft an eine Ladesäule fahren und mit meinem Smartphone zahlen, so wie es mittlerweile in jedem Supermarkt, Restaurant, usw. machen kann. Mir nutzen auch nicht die täglichen Meldungen, wie viele neue Ladestationen jeden Tag gebaut werden, wenn ich immer mehr Karten brauche. Hier sollte man sich zusammentun und verstärkt Initiative ergreifen. Auch wenn unsere Regierung das auch möchte, es geht zu langsam.

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Toller Bericht, aber eine Sache verstehe ich nicht:

Für welche Geschwindigkeit ist denn dein Anhänger zugelassen?

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Guten Morgen und vielen Dank für Deinen Bericht​:+1: ich hoffe Du konntest trotzdem im eigentlichen Urlaub Dich erholen…

Allerdings bestätigt das meine hier im Forum geäusserte Kritik, dass das System im Auto eine Möglichkeit der Ladesäulenselektion (z.B. auf mind 150 KW) in der Planung gleich verlässlich aufführen sollte​:thinking: Dieses scheint nicht der Fall zu sein und deshalb erscheint eine längere Tour immer noch ein Abendteuer zu werden…:woozy_face:

Der Anhänger hat eine 100km/h Zulassung. Meine gefahrene Geschwindigkeit sollte natürlich niemanden dazu animieren die gesetzlich bestimmte Höchstgeschwindigkeit zu überschreiten :smirk:

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Vielen Dank für deinen Bericht, ich hoffe die Tour hat trotz allen Widrigkeiten Spaß gemacht :wink:

Allerdings musst du mir nochmal erklären warum du die „lächerliche“ Anfahrtstrecke nicht mit der GS erledigt hast? Ich hätte die AfricaTwin nicht auf den Anhänger verbannt… :innocent: :yum:
(Bitte nicht als ernsthafte Kritik verstehen :wink:)

Ist schon ok und die Frage ist unter Motorradfahrer völlig berechtigt. :metal::sunglasses:

Der ursprüngliche Plan war, genau wie letztes Jahr, mit dem Flieger runter und dann einen Leihwagen. Ich habe letztes Jahr schon geheult, weil es hier so geile Strecken gibt. Dieses Jahr aber haben sich die Mietwagenpreise verdreifacht. Zugegeben … ich habe diesen Umstand genutzt, um für die Fahrt mit den eigenen Wagen zu werben. Meine Familie fliegt bis Bergamo und ich fahre einen Tag vorher los und hole sie dort ab. Naja … und wenn ich doch schon eine Anhängerkupplung und Anhänger habe, kann ich doch meine GS mitnehmen. Der Plan wurde auch so umgesetzt.

Allerdings bin ich mit den Jahren auch gemütlicher geworden. Ich fahre öfters mit dem Wagen und Karre auf Hänger in den Süden.

Und während andere noch am probieren sind, wie sie noch 0,5kwh einsparen können, wollte ich wissen, bis wie weit hoch der Zeiger eigentlich zeigen kann. Bin wie beschrieben bei 38-40 gelandet. :laughing:

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