Reifenwechsel nicht ohne Hochvoltschein

Hoch lebe Deutschland !
Hatte soeben den Anruf meiner örtlichen Reifenwechselgarage, dass Sie meinen Poldi nicht mehr mit Reifenwechseln bedienen werden können.
Grund sei der notwendige Hochvoltschein, um das Fahrzeug auf die Hebebühne zu bugsieren und die Reifen zu wechseln.
Ich dachte mich tritt ein Pferd, aber es scheint tatsächlich so zu sein, selbst bei Plugins.

Als wenn Deutschland kein anderes Problem hat. Somit werde ich also wieder selbst wechseln - ohne Hochvoltschein. So ein Schwachsinn…

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Ohne den Schein darf die Werkstatt oder der Reifenservice das Fahrzeug nicht mal in die Werkstatt fahren…

So eine Absage habe ich im Herbst auch schonmal erhalten… :man_facepalming:

Das trifft dann auch ein C…Glas zum Scheiben tauschen :woman_facepalming:t5: :man_facepalming:t5:

Mittlerweile scheint es ja zumindest so zu sein, dass jemand mit Hochvoltschein innerhalb einer Werkstatt delegieren kann und dann lediglich der verantwortliche für die (teil)elektrischen Fahrzeuge ist. Für Arbeiten am „inneren“ des Fahrzeuges ist das sicherlich auch vernünftig.

Allerdings entzieht es sich auch bei mir jeglicher Logik, warum bei sowas nicht nach der Art der Arbeit am Fahrzeug differenziert wird. Auch an einem Elektroauto gibt es ja genug Arbeiten, wo das Hochvoltsystem nicht mal ansatzweise eine Rolle spielt.

Soweit ich es verstehe, handelt es sich ja nicht um eine gesetzliche Vorgabe, sondern um eine „Richtlinie“ der DGUV - die dann über die Berufsgenossenschaft als Regel gilt. Da es sich um Regeln zur Unfallvermeidung handelt, hat die BG da ein starkes Interesse an der Einhaltung - und damit die Werkstatt, da sie die Kosten von Arbeitsunfällen nicht übernehmen kann.

HV-Schein gibt es auch in mehreren Stufen, und für Reifenwechsel reicht der kleinste, 1S (Fachkundig unterwiesene Person) - die Schulung dazu dauert bei TÜV oder Dekra gerade mal einen halben Tag, Kosten liegen bei 300-500 Euro je nach Anbieter.

Daher ist mir unerklärlich, wieso es immer noch KFZ-Werkstätten gibt, welche sich diese Mitarbeiter-Qualifikation immer noch gespart haben.

Und wen es interessiert - Inhalte vom 1S (FuP) laut TÜV Nord sind:

  • Elektrische Gefährdungen und Schutzmaßnahmen
  • Bedienen von Fahrzeugen und zugehörigen Einrichtungen
  • Durchführung allgemeiner Tätigkeiten, die keine Spannungsfreischaltung des HV-Systems erfordern
  • Lage und Kennzeichnung der HV-Komponenten und Leitungen im und am Fahrzeug
  • Durchführung aller mechanischen Tätigkeiten am Fahrzeug (aber: „Hände weg von orange!“)
  • Außerbetriebnahme des HV-Systems nach Herstellervorgabe als zusätzliche Sicherungsmaßnahme
  • Unzulässige Arbeiten am Fahrzeug
  • Einstellen der Arbeiten bei Unklarheiten und Information der zuständigen FHV
  • Organisationsablauf bei Arbeiten, die unter Leitung und Aufsicht einer FHV durchgeführt werden
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Man kann es auch Kompliziert machen! Ich sag dazu nur Behördenwahnsinn.

Das hab ich von der Schweizerischen Unfallversicherung (SUVA) und der Eidgenössische Koordinationskommission für Arbeitssicherheit EKAS gefunden, betreffend dem Thema. (Es ist keine Richtlinie). Bei der SUVA ist jeder Arbeitnehmer in der Schweiz mindestens Versichert.

Als Laie darf ich in der Schweiz neben dem Räder wechseln auch mein Wagen waschen.
Ich warte nur bist der Erste Waschtrassenbetreiber oder Fahrzeugaufbereiter sagt sorry ich darf dein Wagen nicht waschen denn ich hab den Hochvoltschein nicht!

Nicht nur beim Arbeiten auch beim erstellen von regeln sollte man mitdenken.

Gruss Thomas

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Na eben. Dreht mal die Logik um. Es muss dem Arbeitnehmer bekannt sein, welche Teile des Fahrzeugs er gefahrlos „bearbeiten“ kann mit seiner Qualifikationsstufe, und damit er das auch weiß muss er unterwiesen werden…

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Und die aller meisten kennen aus ihrer Ausbildung keine E-Autos.

Ich denke jeder Lehrling wir zumindest mit dem kleinsten Schein aus der Lehrabschlussprüfung kommen.

Aber für den Räderwechsel, ärgerlich.

Die Sinnhaftigkeit will ich gar nicht in Frage stellen.
Aber ich denke auch, dass solche „Einfachen Unterhaltungsarbeiten“, wie sie von Thomas für die Schweiz dargelegt wurden, auch für Deutschland Sinnvoll wären. Natürlich mit der klaren Vorgabe seitens der BG: „Lass die Finger von allem, was nicht Räder oder Wischwasser ist“.

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Das hat hier aufm Land heute beim Reifenhändler niemanden interessiert.

Allerdings haben ich den Wagen selbst auf die Bühne gefahren.:man_shrugging:t3:

Beim Thema dieses Freds musste ich grinsen als ich mich daran erinnert habe wie ich meine Ladebuchse für die 12V-Batterie in den Frunk eingebaut habe… - Ist ja mehr als Wischwasser nachfüllen.
Ich habe nur als junger Kerl beim Elektriker reingeschnuppert und ein paar Semester E- Technik studiert, aber den HV-Schein hab ich nicht.

Aber das mit den Scheinen ist typisch Deutschland. Gesunder Menschenverstand reicht hierzulande nie. Nur zum Kinder in die Welt setzen braucht man hier keinen Schein obwohl das bei manchen Leuten wirklich besser wäre

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Ich wunder mich doch sehr über unser Land und die Regierung, dass für das Fahren eines Elektoautos kein zusätzlicher Führerschein erforderlich ist. Einerseits darf eine Werkstatt ohne Zertifizierung nicht Mal die Reifen an so einem Auto wechseln, jeder Hinz und Kunz kann sich aber so eine Karre kaufen und nach Herzenslust daran herumschrauben. :thinking: Da stimme ich @Juergen_K_H insbesondere für’s Kinder kriegen voll zu. :stuck_out_tongue_winking_eye:

…in meinem steht „mit Verbrennungsmotor“. Vermutlich fahre ich illegal​:hugs:

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