PS2 rutscht auf nassem, glattem Boden

Liebe Community

ich habe eine Frage, die mich bereits seit einiger Zeit beschäftigt. Ich fahre einen Polestar 2 AWD und beobachte dabei folgendes Verhalten:

Auf meinem Arbeitsweg befahre ich eine Landstrasse mit ca. 10 % Gefälle bei erlaubten 80 km/h. Vor dem Ortseingang muss ich die Geschwindigkeit auf 30 km/h reduzieren. Das funktioniert in der Regel problemlos über OPD in der höchsten Rekuperationsstufe. Unmittelbar vor der 30er-Zone befindet sich jedoch ein grosser Gullideckel. Sobald dieser nass ist, rutscht das Fahrzeug beim Überfahren regelmässig spürbar. Dabei entsteht ein unangenehmer Ruck, und das Auto gleitet gefühlt 2–3 Meter nach vorne.

Nun frage ich mich, ob dieses Verhalten normal ist. Mir ist bewusst, dass der Polestar 2 über kein Sperrdifferenzial verfügt und Schlupf über das ESP geregelt wird. Soweit ich gelesen habe, ist das System eher komfort- als sportorientiert ausgelegt, sodass das ESP vergleichsweise spät eingreift. Allerdings tritt dieses Rutschen nicht nur bei Gefälle auf, sondern praktisch jedes Mal, wenn ein nasser Gullideckel überfahren wird.

Meine Frage an euch: Habt ihr ähnliche Erfahrungen mit eurem Polestar 2 gemacht?

Hallo Shanster,

habe das gleiche Modell und kann das überhaupt nicht bestätigen.

Macht meiner seid Anbeginn.

Bei höheren Geschwindigkeiten wird das Ansprechen besser, ganz schlimm bei Schrittgeschwindigkeit.

Nicht beim Rutschen aber beim „Durchdrehen eines Rades bis ESP greift“ habe ich es von einem Clubfreund beobachten lassen. Beim Slippen (Boot mit Trailer aus dem Wasser holen) ist die Fahrbahndecke oft ungleichmäßig nass und ein Rad rutscht gerne 'mal durch. Das Rad macht dann fast 2 Umdrehungen bis ESP eingreift und das Rad runterbremst - mein Freund hat sich an der goldenen Ventilkappe orientiert.
Der Polestar ist übrigens der einzige AWD im Club der „mit den Hufen scharrt“; sonst machen das nur die Fronttriebler bei uns. Alle anderen AWD regeln hier besser und ziehen die größten Boote ohne Gescharre aus dem Wasser.
Leider ist der Polestar auch der einzige elektrische AWD, so dass die vorherrschende Mitgliedermeinung in diesem Punkt sich auf „typisch E-Auto“ begrenzt.

Einseitiger Haftungsabriss beim Verzögern - „Split µ“. Das ESP nimmt Verzögerung zurück und setzt einen kurzen einseitigen Bremsimpuls, um das Fahrzeug in der Spur zu halten. Was sollte es sonst auch machen? Grip auf dem nassen Gullideckel herzaubern?

Bringt beim Verzögern eh nichts.

Nein der Polestar 2 ist sportlich ausgelegt. Das ESP regelt im Grenzbereich zunächst hochfrequent und subtil - es spielt quasi mit. Selbst im Normalmodus lässt es deutliche Driftwinkel zu und greift erst ab einem gewissen Punkt mit zwei bis drei harten Regelungen durch. Im ESP off/Sport geht dann noch etwas mehr. Das ist übrigens nicht graue Theorie - ich probiere es regelmäßig aus.

4 „Gefällt mir“

+1 :slight_smile: am liebsten sind mir Beton-Fahrdecken bei Regen :wink: bin immer wieder erstaunt, wie viel Winkel das ESP im Normalzustand zulässt.

Im ADAC Fahrsicherheitstraining war mein PS2 übrigens einer derjenigen, der split mü am besten gebremst hat (vs. ID4 und ePeugeot).

4 „Gefällt mir“

Aha, ein Wissender; sehr schön verständlich erklärt :+1:.

Kannst du mir dann auch sagen, warum beim Slippen (der Beitrag über deinem) der Polestar, im Gegensatz zu Vergleichsfahrzeugen (Audi A4 quatro, BMW 3 xdrive und andere AWD), immer wieder mit kurzzeitig durchdrehendem Rad reagiert wobei Andere stoisch durchziehen?
An den Reifen liegt es nicht - egal ob Sommer- oder Winterreifen, egal ob Conti, Hankook, Michelin oder XY immer das Gleiche.

Ich weiß es nicht, aber ich habe eine Vermutung. Und zwar ist bei Verbrennern eine gewisse Drehzahl nötig um das nötige Drehmoment aufzubauen und dann hat man noch ein Getriebe und Kupplung dazwischen. Bei EVs geht ist deutlich binärer. Das sofort anliegende Drehmoment der Elektromotoren muss durch Software so “runtergeregelt” werden, damit die Haftungsgrenze nicht überschritten wird. Das Problem dürfte jedoch sein, daß das Auto merkt, hey ich versuche loszufahren und bewege mich nicht. Ich vermute daher eine Regelung, die es ermöglichen soll bei Nässe, Schnee und Eis trotz anfahren zu können spielt bei der Slippage mit rein. Ob das generell schwierig ist so fein zu regeln oder nur bei Polestar/Volvo ein Thema ist, entzieht sich meiner Kenntnis.
Jetzt bin ich mal gespannt ob diese Vermutung korrekt ist… :smirk:

Meine Theorie: Wenn beim Rekuperieren ein rutschiger Gegenstand überfahren wird, wird die Rekuperation gestoppt und es kommt einem vor, wie wenn das Auto rutscht oder beschleunigt oder so….
Es findet dann kein ABS Eingriff statt, weil die Bremsen bei der Aktion nicht beteiligt sind….

Fand das Verhalten auch anfangs komig. Klingt für mich aber so richtig.

Grundsätzlich empfinde ich das Fahrverhalten auf glatter Fahrbahn beim Polestar 2 als sehr beherrschbar (Bin ja auch schon zwei mal auf einem zugefrorenem See gefahren :sweat_smile: ).

Das klingt ein wenig wie ein Phänomen, das ich regelmäßig an einem Brückenkopf beobachte: Kurz danach kommt eine Abfahrt und während ich über die Schwelle Brücke->Straße fahre ist oft die Reku in vollem Eingriff. Gelegentlich scheint das Auto in dem Moment für einen Augenblick die Haftung zu verlieren, und die Reku wird ausgesetzt. Das spürt man in Form eines ganz kurzen Aussetzens der Verzögerung, bis im Bruchteil einer Sekunde später die Reibungsbremse einsetzt. Das Auto verzögert dann wie gewohnt im OPD-Modus, aber CSV zeigt eine Reku-Leistung von Null an. Interessanter Weise wird der weiße Reku-Balken im Fahrerdisplay weiterhin angezeigt. Ohne CSV wäre das also nicht so leicht zu erkennen.

Ohne OPD und Reku (Fahrstellung N beim Bremsen), gibt es diesen minimalen Abriss der Verzögerung nicht. Das „Gleiten“ wie du es nennst wird also nach meiner Einschätzung der Wechsel von Reku auf Reibungsbremse sein. Du kannst mal versuchen das zu reproduzieren, in dem du bei OPD Aus leicht Bremst und dabei dann auf N schaltest. Dann sollte es auch diesen leichten, sich wie Gleiten anfühlenden Ruck geben, wenn von Reku auf Reibungsbremse gewechselt wird.

Ich würde das insoweit als „normal“ ansehen, da ja von einem Bremssystem auf ein anderes gewechselt wird, ohne die effektive Verzögerung zu ändern. Da braucht die Regelung vermutlich einfach ein paar Millisekunden, die man als „Gleiten“ Wahrnimmt. Untern normalen Umständen wird bei stärkeren Bremsungen ja die Mechanische Bremse auf die Reku „aufaddiert“, sodass das ganze in meinen Augen zumindest keine sicherheitstechnische Relevanz haben sollte, sollte man wirklich auf die Bremse treten in so einem Szenario.

Keines der genannten Fahrzeuge hat das gleiche hohe Drehmoment ab Stillstand und die mit dem fehlenden Motorgeräusch erhöhte Schwierigkeit, der Dosierung am Fahrpedal.

Es geht nicht im das Anfahren, sondern um wechselnde Griffigkeit des Untergrunds während des Schleppvorgang. Da reguliert man nicht mehr viel mit den Gaspedal/Kupplung/Drehzahl und das verlangte Drehmoment ist praktisch konstant.

Vielen Dank für eure zahlreichen Rückmeldungen :hugs:. Mir ging es in erster Linie darum herauszufinden, ob sich mein PS2 normal verhält – und anhand eurer Erklärungen gehe ich nun davon aus. Heute Morgen bin ich die Strecke, wie von @Ixam97 empfohlen, einmal ohne OPD gefahren. Die Bedingungen waren identisch wie gestern (nass), und tatsächlich: Mit der manuellen Bremse geriet das Fahrzeug nicht ins Rutschen.

Aber kann das sein, dass das ESP bei Polestar jetzt nicht so zu den besten gehört? Bei einem Wintertest auf abgesperrter Strecke musste ich auf Schnee vom Stillstand auf 80 km/h beschleunigen – mit aktiviertem ESP kam der Wagen dabei kaum vom Fleck. Ähnlich beim Slalomparcours auf derselben Strecke: Das ESP bremste mich praktisch bis zum Stillstand herunter. Auch @Landmatrose hat ja ein ähnliches Verhalten beschrieben.

Das Zauberwort heisst AB, wie bei jedem BEV gibt es viel mehr Drehmoment, als bei den genannten ICE, auch wenn die Fahrzeugkombination einmal rollt.
Diesen Nachteil hat jedes BEV und mangels akustischer Rückmeldung des Motors auch schwieriger zu dosieren.

Ich kann das bestätigen. Nicht nur bei Gullideckeln. Bei mir auf dem Arbeitsweg gibt es eine Strasse, auf welcher die Tramschienen verlaufen und sogar da merke ich, dass der Halt ganz anders ist und mein P2 (Frontantrieb) leicht rutscht, wenn man darauf fährt. Beim Bremsen, Beschleunigen und auch beim Lenken bei normaler Fahrt mit gleichbleibender Geschwindigkeit.

Zusätzlich hat der P2 für seine Leistung und insbesondere sein Drehmoment relativ schmale Reifen (245)

Was bedeutet:

Nach deiner Argumentation mit dem Drehmoment dürfte es weder LKW, Traktoren oder Schlepper geben - und jetzt komm’ nicht mit den Gewicht: Nm/kg ist bei BEV und ICE nicht sooo unterschiedlich.

Es geht ja hier um einen „rad-selektiven“ Drehmomenteingriff. Mir ist nicht klar, wie du das über deinen Fuß und deine Ohren machen willst. Und niemand zieht sein Boot mit laut aufheulendem Motor aus dem Wasser, das Ganze geschieht recht langsam, kaum mit Schrittgeschwindigkeit, der Kahn muss sich schließlich mittig auf den Trailer legen. Die Motordrehzahl beim ICE liegt irgendwo zwischen 1500 und 1800 1/min, bei manuellem Getriebe hat auch niemand den Fuß auf der Kupplung → das überlebt die nicht lange.
Das Gespann bewegt sich und dann kommt die Pfütze ggf. mit Algen. Der Polestar lässt das Rad in der Pfütze 2x drehen bevor ein Eingriff kommt, die anderen Fahrzeuge rutschen maximal kurz durch (vielleicht 1/2 Umdrehung), meist passiert gar nichts. Das Radmoment muss bei allen Autos ähnlich sein, da Gespanngewicht und Geschwindigkeit auch ähnlich sind, die Steigung ist ohnehin gleich.

Für mich ist die Polestar-ESP Regelung da einfach zu langsam bzw. die Pedalkennlinie zu unharmonisch - aber mag’ jeder sehen wie er will.
Und glaube mir, ich mache das schon Jahrzehnte. Nach kurzer Eingewöhnung hatte ich es mit jedem Fahrzeug im Griff (sogar mit einfachen Fronkratzern), mit dem Polestar geht es einfach nicht - der kennt nur durchdrehen oder stehenbleiben.

1 „Gefällt mir“

Bloch war auch enttäuscht…

1 „Gefällt mir“

ESP auf Sport stellen im Schnee, steht auch genauso in der Bedienungsanleitung.

Ohne ein akustisches Feedback ist die Dosierung am Fahrpedal, dazu mit sagen wir dem doppelten Drehmoment und Leistung (woher sollen sonst die Fahrleistungen kommen) deutlich anspruchsvoller, es braucht ein feines Füsschen.
Durchdrehende Räder bedeuten steigende Drehzahlen der Motoren, was man beim Verbrenner sofort hört, entgegen einem BEV.
Traktoren und LkWs sind mit entsprechenden Übersetzungen und ganz anderen Kennlinien am Fahrpedal nicht vergleichbar.

Ganz klar NEIN - wir reden hier von einem Rad an einer Achse!
Die Motordrehzahl ist gleichbleibend, ebenso die Getriebeausgangswelle. Die Eingangswelle des Differentials dreht gleich schnell wie zuvor, eine Abgangsseite steht (das Rad mit Grip), die andere dreht mit doppelter Drehzahl (das Rad mit Schlupf).