ich habe noch mal versucht, mich dem thema aus technischer sicht zu nähern:
wir sind uns einig, im winter ist die temperatur der batterie der alles entscheidende faktor. wenn die zellen zu kalt sind, können sie hohe ladeleistungen chemisch einfach nicht sauber verarbeiten. gibt man dann zu viel strom frei, kann sogenanntes lithium-plating entstehen – vereinfacht gesagt lagert sich lithium metallisch ab, was die batterie langfristig schädigt. genau das versucht das bms (möglicherweise von polestar gewollt aggressiv programmiert) zu verhindern.
deshalb wird bei niedrigen zelltemperaturen die ladeleistung eisenhart deutlich begrenzt. und da reden wir über die „innentemperatur der batterie“, nicht über die temperatur der außenluft.
ein beispiel was ich hier so oder so ähnlich gelesen habe:
ein nutzer berichtet von mehreren stunden autobahnfahrt mit 120 km/h, hpc ist als ziel gesetzt ist, der soc am hpc-ziel ist errechnet bei um die 10-15%. das fahrzeug wirft dann gute 40–50 minuten vorher die vorkonditionierung an und alles läuft quasi nach plan.
dann ist „war halt zu kalt“ als erklärung von polestar offen gesagt bißchen zu einfach! das versteht auch wirklich jeder, der sich tiefer mit der materie beschäftigt.
unter solchen bedingungen sollte (muss!) die batterie eigentlich im arbeitsfenster sein. wenn dann trotzdem nur 80–100 kW anliegen, während andere fahrzeuge so mit 180–200 kW laden können, bleibt aus meiner sicht technisch eigentlich nur folgendes übrig:
- vorkonditionierung läuft zwar, bringt das pack nicht wirklich in den optimalen temperaturbereich
- bms arbeitet extrem konservativ und begrenzt (viel zu) frühzeitig, um plating-risiken auszuschließen
- oder die kalibrierung (software/bms-modell) reagiert je nach fahrzeug z. t. komplett unterschiedlich
das spricht nach meiner analyse nicht für ein über vin oder mj eingrenzbares hardwareproblem, sonst gäbe es ja auch inzwischen irgendwo ein sauberes muster. ich tippe daher auf ein fehlerhaftes kalibrierungsthema im thermomanagement bei betroffenen autos.
wenn es „nur“ um die kalibrierung von thermomanagement und bms geht, also darum, wie aggressiv vorkonditioniert wird oder wie früh die ladeleistung begrenzt wird, dann wäre das vermutlich per ota lösbar.
da aber einzelne fahrzeuge deutlich anders reagieren als andere, obwohl softwarestand identisch ist, könnte es auch an unterschiedlichen parameterständen oder inkonsistenten steuergeräte-kalibrierungen liegen. da reicht dann ein pauschales ota womöglich nicht, sondern das betroffene auto müsste einzeln neu geflasht werden.
und ob dieses know-how in der normalen werkstatt vorhanden ist, solche fehler erst mal zu analysieren und sie im nächsten schritt zu beheben, ist die nächste spannende frage…
das sind hochkomplexe regelstrategien, die man nicht mal eben mit einem standard-diagnosetool „nachstellt“. wenn kein eindeutiger fehlercode abgelegt ist, steht die werkstatt im zweifel genauso ratlos davor wie der kunde. und am ende hängt es davon ab, ob polestar das problem als systemisch erkennt und gezielt adressiert.